Industriestrategie rückt Oberösterreich ins Zentrum der Wasserstoff-Zukunft
LH Thomas Stelzer zu Wasserstoff: „Brauchen rasche Klarheit bei zukünftigen Speicherstandorten und Zuleitungen“. Die im Jänner beschlossene Industriestrategie der Bundesregierung stuft Wasserstoff als eine der zentralen industriellen Zukunftstechnologien im Energiesystem ein. Umso dringlicher ist aus Sicht Oberösterreichs die konsequente Umsetzung der bereits seit 2022 vorliegenden Wasserstoff-Strategie. Diese setzt auf die Erzeugung von Wasserstoff durch Elektrolyse mit erneuerbarem Strom.
„Der Wirtschaftsstandort Oberösterreich steht hier im Zentrum der Entwicklung. Einerseits wegen unserer industriellen Stärke, andererseits weil ein aktuelles Expertengutachten der österreichischen Energieagentur bestimmten Regionen in Oberösterreich eine besondere Eignung für Wasserstoff-Speicher attestiert. Diese Fragen müssen jetzt rasch und verbindlich geklärt werden – im Sinne der Standort- und Planungssicherheit“, sagt Landeshauptmann Thomas Stelzer.
Wasserstoff gilt insbesondere für die chemische Industrie, die Eisen- und Stahlindustrie, die Zementindustrie sowie als Speichermedium für Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energiequellen und als wichtiger Energieträger zur Spitzenlastabdeckung als unverzichtbar. Damit ist Oberösterreich in mehrfacher Hinsicht betroffen: als führender Industriestandort mit hohem Energiebedarf – und als potenzieller Schlüsselstandort für Wasserstoff-Speicheranlagen. Laut aktuellen Prognosen wird sich der Wasserstoffbedarf in Österreich bis 2040 verzehnfachen. Gleichzeitig wird die Importabhängigkeit bis dahin auf rund 75 Prozent steigen.
Klare Entscheidungen zu Elektrolyse-Standorten und Zuleitungen notwendig
Besonders dringlich ist aus Sicht Oberösterreichs die Konkretisierung der geplanten Ausweitung der heimischen Elektrolyse-Kapazitäten auf 1 Gigawatt sowie die verbindliche Festlegung künftiger Lieferländer und Transportwege. Oberösterreich ist bereits heute eine treibende Kraft in Forschung und Entwicklung der Wasserstoff-Technologie – etwa mit dem Wasserstoffzentrum der FH Oberösterreich in Wels oder innovativen Unternehmen wie Hainzl, das Anfang Mai den ersten „Plug and Play“-Wasserstoff-Elektrolyseur präsentierte – und will diese Rolle weiter ausbauen. „Eigenproduktion muss dort stattfinden, wo der Bedarf am höchsten ist – also nahe großer industrieller Verbrauchszentren wie Oberösterreich. Gleichzeitig brauchen wir gesicherte und realistische Zuleitungen für die notwendigen Importmengen“, betont Stelzer. Die bestehende Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung bleibt in diesen Punkten bislang vage. Sie verweist allgemein auf einen künftigen Mix aus Pipelines – inklusive der Umnutzung bestehender Gasleitungen – sowie Transporten auf Straße, Schiene oder Wasser.
Experten sehen großes Speicherpotenzial in Oberösterreich
Ein weiteres Zukunftsfeld ist die Einspeicherung von Wasserstoff. Die geplanten Speicherkapazitäten sollen auf 1,2 Terawattstunden im Jahr 2030 und auf 7,7 Terawattstunden im Jahr 2040 ausgebaut werden. Ein im Auftrag der Bundesregierung erstelltes Gutachten identifiziert dafür die besten geologischen Voraussetzungen in Teilen von Oberösterreich, Niederösterreich und Salzburg. Auch hier brauche es jetzt rasch Präzisierungen, damit konkrete Projekte umgesetzt werden.
