Josef Ratzenböck

"Ratzenböck-Plan"

1953 begann Dr. Josef Ratzenböck seine Tätigkeit in der Landesparteileitung. Rasch entwickelte er sich zur Stütze des damaligen Landesparteisekretärs Dr. Erwin Wenzl. Zwischen 1958 und 1973 war er auch Geschäftsführer der „Wohnungsfreunde“ und eignete sich dort seine umfangreichen Kenntnisse in Wohnbaufragen an, die 1968 bei der Neuordnung des Wohnungswesens voll zum Tragen kamen. Aber es blieb nicht nur bei Kampagnen über die Wohnbauförderung – hervor zu heben ist vor allem die von Ratzenböck initiierte begünstigte frühzeitige Rückzahlung von Wohnbaudarlehen (Ratzenböck-Plan).

Politik als Handeln für den Nächsten

Politik galt Dr. Josef Ratzenböck als Handeln für den Nächsten: davon zeugt auch die breit gespannte Palette an sozialen Maßnahmen, die er nicht nur während seiner Zeit als Landeshauptmann initiierte und umgesetzte. Er veranlasste unter anderem die Einführung des Pflegegeldes, bei der OÖ gemeinsam mit Vorarlberg Vorreiter war und die mittlerweile bundesweit gilt. Auch Beratung und Information war LH Dr. Ratzenböck schon von Beginn an ein wichtiges Anliegen. Verwirklicht wurde es zum einen durch das Wählerservice, zum anderen auch durch die zu Beginn der 80er Jahre eingeführten Betreuungsmandatare für die einzelnen Gemeinden. Die Sorgen und Wünsche der Senioren lagen Ratzenböck als Begründer und erstem Landessekretär des Seniorenbundes besonders am Herzen. 

Starke Wirtschaft - geringe Arbeitslosigkeit

Obwohl die 80er Jahre von wirtschaftlichen Problemen – wie z.B. dem zweiten Erdölschock (1979/80) oder der Krise der Verstaatlichten –  geprägt waren, gelang es, in Oberösterreich die Zahl der Arbeitslosen gering zu halten: sie lagen ausnahmslos unter den gesamtösterreichischen Zahlen. Dazu trugen große Erfolge wie die Ansiedlung von BMW in Steyr, aber auch das Strukturprogramm für die Wirtschaftsräume in OÖ sowie die Förderung von Klein und Mittelbetrieben und des Fremdenverkehrs maßgeblich bei. 

Engagierte Kulturpolitik

18 Jahre war Dr. Josef Ratzenböck Kulturreferent des Landes OÖ. Krönung dieses kulturpolitischen Engagements war die Gründung des Landesmusikschulwerks im Jahr 1977, das heute mit 149 Musikschulen mehr als 55.000 jungen Menschen aus ganz Oberösterreich die Möglichkeit bietet, qualitativ hochwertigen und erschwinglichen Musikunterricht zu genießen. Er eröffnete das Landeskulturzentrum Ursulinenhof sowie das Offene Kulturhaus (OK) und unterstützte bestehende Institutionen und traditionelle Kulturformen: sein Anliegen war die Öffnung des Kulturbegriffs sowie die Förderung von Kultur als gesellschaftlichem und politischem Mittel der Integration. 

Kampf gegen Temelin

Umweltschutz war und blieb ein wichtiges Thema: 1980 wurde der Arbeitskreis „Grüne Welle“ gegründet, 1982 zum Jahr des Natur- und Umweltschutzes ausgerufen und das Jahr 1986 dem Schutz des Waldes gewidmet. Bereits von Anbeginn an engagierte sich Josef Ratzenböck in der Bewegung gegen das Atomkraftwerk Temelin und die davon ausgehende Gefahr, was ihn aber nicht davon abhielt, sich besonders um die Integration unserer neuen Nachbarn in Europa zu bemühen: Landeshauptmann Dr. Ratzenböck gehörte zu den wenigen westeuropäischen Politikern, die lange vor dem Fall des Eisernen Vorhangs Kontakte nach Osteuropa knüpften.

Überzeugter Europäer

Es war sicherlich ein Höhepunkt seiner Amtszeit, als der überzeugte Europäer Ratzenböck am 11. Dezember 1989 den „Eisernen Vorhang“ an der damals tschechoslowakischen Grenze durchschneiden konnte. LH Ratzenböck engagierte sich bereits 1988 als Sprecher der Länder in Fragen des EG / EU–Beitrittes und leistete auch zu Beginn der 90er Jahre unermüdlich Überzeugungsarbeit für den Beitritt Österreichs – ein Bemühen, das bei der Abstimmung 1994 in Oberösterreich mit einem überwältigendem Ja (65,5 %) der Landesbürger zum Beitritt honoriert wurde.

Ratzenböck und sein Team

In seiner 18jährigen Amtszeit als Landeshauptmann arbeitete Dr. Ratzenböck mit zahlreichen fähigen Politikern zusammen, von denen bei weitem nicht alle hier genannt werden können: Johann Diwold, Leopold Hofinger, Dr. Albert Leibenfrost, Gerhard Possart, Rudolf Trauner und Johann Winetzhammer, Mag. Helmuth Kukacka, Dr. Josef Pühringer, Dr. Karl Eckmayr, und Dr. Christoph Leitl unterstützten ihn als Landesräte, Mag. Kukacka, Dr. Josef Pühringer und Franz Hiesl waren Landesparteisekretäre, Dr. Lelio Spannocchi, Johanna Preinstorfer und Angela Orthner Erste Präsidenten des Landtags und Gerhard Possart, Dr. Hugo Scheuba, Franz Hiesl und Hans Brait waren Klubobleute. 

Der Mann für die großen Probleme und die kleinen Sorgen

1995 zog sich LH Dr. Ratzenböck aus der Landespolitik zurück und übergab sein Amt als Landeshauptmann und seine Funktion als Landesparteiobmann an Dr. Josef Pühringer. Landeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck vereinte wie nur ganz wenige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in unserem Land den Mut zur größeren Perspektive mit dem ‚Gespür‘ für die Sorgen der Menschen in unserem Land. Ihm waren nicht nur die großen Entwicklungen des Landes wichtig, sondern er hat sich in abertausenden Stunden bei Sprechtagen auch der Anliegen aller Oberösterreicher angenommen. Er hat unser Land auf diese Weise nicht nur durch seine Sachpolitik, sondern auch durch seine Persönlichkeit geprägt.