Mobilität und Flexibilität sind Werte, die für das Berufs- und Privatleben höchste Bedeutung haben. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat die Bundespolitik eine langjährige Forderung des Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbundes umgesetzt: eine Novellierung des Steuerrechts und die Einführung des sogenannten „Pendlereuros“. Dadurch wurde das starre Klassensystem entschärft und gleichzeitig eine Erhöhung der Steuervorteile durchgeführt. 

Die Novelle erfasst auch die neuen Entwicklungen am Arbeitsmarkt, ein Viertel der Österreicher arbeitet Teilzeit. Diese Gruppe war bisher von den meisten Begünstigungen ausgeschlossen, ab sofort ist eine aliquote Pendlerpauschale möglich. Auch für die Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln wurde eine Neuerung eingeführt: das „Jobticket“. 

Die wichtigsten Informationen


Verkehrsabsetzbetrag

Der Verkehrsabsetzbetrag in Höhe von 291 € steht jedem Arbeitnehmer zu und braucht nicht extra beantragt werden, sondern wird automatisch bei der Lohn- oder Gehaltsberechnung berücksichtigt. Durch den Verkehrsabsetzbetrag sind die Fahrtkosten für den Arbeitsweg prinzipiell abgegolten. Ein Absetzbetrag mindert die tatsächliche Steuerschuld (im Gegensatz zu einem Freibetrag, der nur die Bemessungsgrundlage für die Steuerschuld mindert) und schafft dadurch einen echten finanziellen Vorteil in Höhe des Absetzbetrages. Zusätzlich stehen ArbeitnehmerInnen aber weitere Steuervorteile zu, die in Folge vorgestellt werden und unabhängig vom Absetzbetrag beantragt werden können.


Kleine und große Pendlerpauschale

Die Pendlerpauschale steht zu,

  •  wenn der Arbeitsweg mehr als 20 Kilometer beträgt und
  • die Benützung von öffentlichen Verkehrmitteln für mehr als die Hälfte des Arbeitsweges zumutbar ist oder
  • der Arbeitsweg mit einem Firmenbus bewältigt werden kann

Das kleine Pendlerpauschale

Die kleine Pendlerpauschale steht jenen zu, bei denen der Arbeitsplatz mindestens 20 km von der Wohnung entfernt liegt, und die Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels möglich und zumutbar ist. Die Wegstrecke bemisst sich nach den Tarifkilometern des öffentlichen Verkehrsmittels:

<table summary="" style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; "><thead><tr><th scope="col" style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">Kilometer &nbsp; &nbsp;&nbsp;</th><th scope="col" style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">monatlich &nbsp; &nbsp;</th><th scope="col" style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">jährlich</th></tr></thead><tbody><tr><td style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">20 bis 40 km:&nbsp;</td><td style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">58 €</td><td style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">696 €</td></tr><tr><td style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">40 bis 60 km:</td><td style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">113 €</td><td style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">1.356 €</td></tr><tr><td style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">über 60 km: &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;</td><td style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">168 €</td><td style="padding: 3px; border: 1px dashed rgb(49, 106, 197) !important; ">2.016 €</td></tr></tbody></table>

Dazu kommt der Pendlereuro: Wenn Ihr Wohnort zum Beispiel 30 Kilometer von der Arbeit entfernt ist, gibt es einen Euro pro Kilometer für den Hin- und Retourweg einmal jährlich.

Beispiel: Bei einem 30 Kilometer langen Arbeitsweg bekommt man 60 € über den Pendlereuro und 696 € werden von der Steuerbemessungsgrundlage als kleine Pendlerpauschale abgezogen.

Das große Pendlerpauschale

Die große Pendlerpauschale steht jenen zu, bei denen der Arbeitsplatz

  • mehr als 2 km von der Wohnung entfernt liegt und
  • während des Zeitraums, für den das Einkommen ausbezahlt wird, die
  • Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln überwiegend unzumutbar ist.

Für die Wegstrecke ist die kürzeste Straßenverbindung heranzuziehen. Das große Pendlerpauschale beträgt bei einer einfachen Fahrtstrecke von der Wohnung zur Arbeitsstätte:

<table summary=""><thead><tr><th scope="col">Kilometer</th><th scope="col">monatlich &nbsp; &nbsp;&nbsp;</th><th scope="col">jährlich</th></tr></thead><tbody><tr><td>2 bis 20 km:</td><td>31 €</td><td>372 €</td></tr><tr><td>20 bis 40 km: &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;</td><td>123 €</td><td>1.476 €</td></tr><tr><td>40 bis 60 km:</td><td>214 €</td><td>2.568 €</td></tr><tr><td rowspan="1">über 60:</td><td rowspan="1">306 €</td><td rowspan="1">3.672 €</td></tr></tbody></table>

Beispiel: Eine Arbeiterin arbeitet 20 Tage im Monat und muss an jedem Arbeitstag 65 Kilometer mit dem Auto von zu Hause zur Arbeit und wieder zurück fahren. Sie ist gehbehindert, Bus, Zug und Fußwege dazwischen sind für sie also nicht zumutbar. In diesem Fall werden 3.672 € Pendlerpauschale von der Steuerbemessungsgrundlage abgezogen und wegen des Pendlereuros wird die Lohnsteuer zusätzlich um 130 € reduziert. 

Die Fahrtdauer ist die Summe aus:

  • Wegzeit von der Wohnung bis zur Einstiegstelle des öffentlichen Verkehrsmittels, Fahrtdauer des öffentlichen Verkehrsmittels (es ist vom schnellsten auszugehen, z.B. U-Bahn statt Bus)
  • Wartezeiten beim Umsteigen
  • Wegzeit von der Ausstiegstelle zum Arbeitsplatz
  • Wartezeit auf den Arbeitsbeginn (bei Gleitzeit muss man den Arbeitsbeginn bzw. das Arbeitsende auf die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel anpassen)
  • Bei der Heimfahrt wird in umgekehrter Reihenfolge gerechnet.

Das ist dann der Fall,

  • wenn es entweder für mehr als die Hälfte des Arbeitsweges kein öffentliches Verkehrsmittel gibt.
  • bei einer Fahrtdauer mit dem öffentlichen Verkehrsmittel von mehr als 2,5 Stunden.
  • wenn man eine starke Gehbehinderung hat.

Einführung des amtlichen Pendlerrechners

  • Für die Berechnung der Entfernung Wohnung Arbeitsstätte
  • Für Ermittlung, ob Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zumutbar oder unzumutbar ist

Der Pendlerrechner ist zwingend zu verwenden und gilt als amtlicher Vordruck und damit als Bestätigung über das Vorliegen der Voraussetzungen zur Inanspruchnahme des Pendlerpauschales - hier gelangen Sie zum Pendlerrechner.


Pendlereuro

Zusätzlich zum Pendlerpauschale steht Arbeitnehmern ab sofort der sogenannte Pendlereuro zu, ein zusätzlicher Steuerabsetzbetrag, der abhängig von der Entfernung zur Arbeitsstätte ist. Der Pendlereuro gleicht das starre Stufensystem der Pauschale aus und schafft neben der Pauschale eine echte, kilometergenaue Zusatzbegünstigung. Je Kilometer Distanz Wohnung – Arbeitsstätte stehen ab sofort € 2,00 pro Jahr zu, die entweder beim Arbeitgeber beantragt werden oder im Wege der Arbeitnehmerveranlagung geltend gemacht werden.

Ist die Arbeitsstätte von der Wohnung beispielsweise 30 km entfernt, steht ein zusätzlicher Steuerabsetzbetrag von 60 € pro Jahr zu. Für Teilzeitbeschäftigte wird der Pendlereuro wie das Pendlerpauschale aliquotiert. Auch dafür wäre ein Antrag beim Arbeitgeber zu stellen oder alternativ im Wege der Arbeitnehmerveranlagung geltend zu machen.

Kein Pendlerpauschale bei Dienstfahrzeugen: Stellt der Arbeitgeber ein Dienstfahrzeug zur Verfügung, das auch privat genutzt werden kann, steht ab 1. Mai 2013 keine Pendlerpauschale und Pendlereuro mehr zu.


Teilzeitbeschäftigte, Negativsteuer und "Jobticket"

Auch Teilzeitbeschäftigte können nun ab vier Arbeitstagen pro Monat die große oder die kleine Pendlerpauschale geltend machen:

  • Für die volle Pendlerpauschale müssen die Voraussetzungen wie bisher an mehr als der Hälfte der möglichen Arbeitstage eines Monats, also zumindest an 11 von 20 Arbeitstagen, gegeben sein.
  • Zwei Drittel können Sie absetzen, wenn Sie die Voraussetzungen zwischen acht und zehn Tagen in einem Kalendermonat erfüllen.
  • Ein Drittel gibt es, wenn diese Vorrausetzungen zumindest an vier, höchstens an sieben Tagen des Monats erfüllt sind.

Dieser Ausgleich für Kosten des Arbeitswegs bringt Vorteile für alle Arbeitnehmer, auch Teilzeitbeschäftigte. Dadurch wurde eine wesentliche Lücke des alten Systems geschlossen. Der kilometerabhängige Fixbetrag gibt Pendlern eine zusätzliche Stütze, die unabhängig vom Einkommen für alle gleich wirkt.

Negativsteuer

Weitere Vorteile für Arbeitnehmer ergeben sich daraus, dass auch Teilzeitbeschäftigte anteilig Anspruch auf die Pendlerpauschale haben. Insgesamt erhalten Pendlern, die keine Lohnsteuer zahlen, dadurch bis zu 450 Euro pro Jahr.

Jobticket:

Fahrtkostenübernahme durch den Dienstgeber

Ein Arbeitgeber kann seine Mitarbeiter durch Finanzierungshilfen für Fahrtkosten unterstützen. Das neu geschaffene „Jobticket" ist dafür eine interessante Möglichkeit.

Beim Jobticket übernimmt der Arbeitgeber direkt die Kosten eines Massenverkehrsmittels für die Fahrt des Arbeitnehmers zum Arbeitsplatz. Dieser Vorteil aus dem Dienstverhältnis ist beim Arbeitnehmer weder lohnsteuer- noch sozialversicherungspflichtig.

Voraussetzungen des Jobticktes

Seit 01.01.2013 ist das sogenannte Jobticket nicht mehr an die Pendlerpauschale gebunden, das heißt, dass diese Steuerbegünstigung nun jedem Arbeitnehmer zusteht – also auch Stadtbewohnern. Der Arbeitgeber zahlt dabei die Streckenkarte, die Rechnung muss auf den Arbeitgeber lauten und den Namen des Arbeitnehmers beinhalten (dadurch ist eine Übertragbarkeit der Karte ausgeschlossen).

Die Zurverfügungstellung einer Netzkarte ist dann zulässig, wenn die Netzkarte nicht teurer ist als die Streckenkarte oder wenn vom Träger des öffentlichen Verkehrsmittels keine Streckenkarte angeboten wird. Die Kosten dafür sind beim Arbeitgeber voll absetzbar.

Der große Vorteil liegt darin, dass beim Jobticket weder ein Sozialversicherungsbeitrag noch Lohnsteuer anfällt und beim Arbeitgeber die Lohnnebenkosten (Dienstgeberbeitrag und Kommunalsteuer) entfallen. Zu beachten ist allerdings, dass der Arbeitnehmer bei Erhalt einer Strecken- oder Netzkarte vom Arbeitgeber keine Pendlerpauschale mehr geltend machen kann.

Einfache Fahrtkostenzuschüsse als Alternative?

Als alternative Möglichkeit den Arbeitnehmer beim Arbeitsweg finanziell zu unterstützen, bietet sich die Gewährung eines Fahrtkostenzuschusses an. Dieser ist mit der Höhe der Kosten des Massenverkehrsmittels beschränkt, die Länge der Fahrtstrecke spielt jedoch keine Rolle. Zwar sind Fahrtkostenzuschüsse von der Sozialversicherung befreit, Lohnsteuer und Lohnnebenkosten fallen aber an! Der Arbeitgeber kann die Zuschüsse als Betriebsausgabe geltend machen. 

Das Job-Ticket ist also durchaus ein interessantes Modell im Gegensatz zum einfachen Fahrtkostenzuschuss, denn Fahrkostenzuschüsse sind im Gegensatz zum Job-Ticket lohnsteuerpflichtig und führen auch zu Lohnnebenkosten.