
Wir sind die christdemokratische Partei
- Wir begründen unsere gesellschaftspolitischen Grundsätze aus dem christlichen Bekenntnis zur Würde des Menschen. Unser politisches Handeln richtet sich am einzelnen und dessen Einbindung in die Gemeinschaft aus. Wir folgen dabei den Prinzipien der Nächstenliebe, der Gerechtigkeit, der Freiheit und der Toleranz. Wir arbeiten für den Frieden und die Erhaltung der Schöpfung. Wir sind offen für Christen und alle, die sich aus anderen Gründen zu diesen Werten bekennen. Wir binden uns an keine Konfession oder kirchliche Institution.
- Wir schöpfen unseren sozialen Auftrag aus unserer Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, die soziale Lasten und Risken gemeinsam trägt. Wir betonen die persönliche Verantwortung des einzelnen. Deshalb ist jede Hilfe zuerst Hilfe zur Selbsthilfe. Der Staat trägt bei der Bekämpfung von Armut und sozialer Benachteiligung eine wichtige, aber nicht die alleinige Verantwortung. In diesem Sinn wollen wir soziale Netze durch Gemeinschaften knüpfen, die dem einzelnen die notwendige Sicherheit geben. Armut - gerade in der Wohlstandsgesellschaft- ist für uns eine besondere politische Herausforderung.
- Die Unvollkommenheit des Menschen sowie die Begrenztheit seiner Planungs- und Gestaltungsfähigkeit setzen auch der Politik Grenzen. Diese Einsicht bewahrt uns vor ideologischem Extremismus und einem totalitären Politikverständnis.
Wir sind die Partei des liberalen Rechtsstaats und der offenen Gesellschaft
- Wir treten für die Freiheit des einzelnen und für die Förderung und Anerkennung der persönlichen Leistung ein. Staatliche Macht und Verwaltung wollen wir auf das Notwendige beschränken. Der Schutz und die Verteidigung der persönlichen und politischen Grund- und Freiheitsrechte sowie des privaten Eigentums haben für uns einen zentralen Stellenwert. Die Freiheit des Menschen ohne Verantwortung ist für die Zukunft nicht denkbar.
- Wir bekennen uns zur parlamentarischen Demokratie. Diese ist getragen vom liberalen Rechtsstaat, vom Wirken politischer Parteien, von der beruflichen und sozialen Selbstverwaltung in den Kammern und Verbänden und von der direkten demokratischen Mitwirkung der Bürger bei wichtigen Fragen. Die innerparteiliche Demokratie und die aktive Mitwirkung unserer Mitglieder an der demokratischen Willensbildung sind uns Verpflichtung.
- Wahlfreiheit in der Gestaltung der Lebensmöglichkeiten ist für uns die Voraussetzung einer offenen Gesellschaft. Sie ist Ausdruck der Vielfalt der Meinungen, der kulturellen Lebensäußerungen, der Bedürfnisse und Interessen der Bürger und damit Grundlage für Toleranz und Veränderung. Flexibilität in der Gestaltung der Lebensbedingungen ist wesentlich, um den Menschen ein glückliches Leben zu ermöglichen.
Wir sind die Partei der ökosozialen Marktwirtschaft
- Wir erachten es als unseren Auftrag, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schonen und zu bewahren. Wir wollen die Erde unseren Kindern bewohnbar und fruchtbar erhalten. Den nachkommenden Generationen muss es möglich sein, in einer menschenwürdigen, gesunden Umwelt ihren Lebensweg zu gehen.
- Die Ökosoziale Marktwirtschaft ist daher das von uns entwickelte ökonomische Ord-nungsmodell für die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen der Zukunft.
- Privateigentum und Leistungswettbewerb sind die wichtigsten Ordnungsgrundsätze der Ökosozialen Marktwirtschaft. Die politische und wirtschaftliche Ordnung des Staates muss den Leistungswillen jedes einzelnen Menschen fördern. Gleichzeitig muss sie darauf bedacht sein, die vom Markt ausgeschlossenen Menschen nicht ins wirtschaftliche Abseits zu drängen. Zu dieser sozialen Komponente tritt das ökologische Prinzip der Nachhaltigkeit, das besagt, dass wirtschaftliches Handeln die Zukunftschancen der nächsten Generationen und die Regenerationskraft der Natur nicht schmälern darf.
Wir sind die Österreichpartei in Europa
- Wir haben uns immer zu Österreich bekannt. Aus Liebe zu unserer Heimat haben wir jeder Art von Totalitarismus und Diktatur eine Absage erteilt und den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Wiederaufbau sowie die Wiedererlangung der vollen staatlichen Eigenständigkeit unserer Heimat erreicht.
- Wir treten für die Erhaltung und Förderung des kulturellen Erbes unserer Heimat Österreich ein. Wir wollen durch Unternehmergeist, Mut zur Erneuerung und Förderung künstlerischer Kreativität unserem Land ein unverwechselbares Gepräge auch für künftige Generationen geben.
- Unsere reiche und vielschichtige kulturelle Identität stellt einen wichtigen Beitrag für Europa dar. Die Stärke dieser europäischen Kultur liegt in der Offenheit für die Vielfalt der verschiedenen kulturellen Traditionen. Unser Bekenntnis zur sprachlichen und kulturellen Vielfalt in Europa schließt das Bekenntnis zu den Volksgruppen in unserer Heimat und das Eintreten für Minderheiten auch in anderen Ländern ein.
- Ein vereintes Europa ist die künftige Grundlage für Frieden und Sicherheit dieses Kontinents. Unser Ziel ist daher ein demokratisches Europa, in dem politische Verantwortung gemeinsam wahrgenommen wird. Wir treten für eine neue europäische Sicherheitsordnung ein, an der wir aktiv mitwirken wollen.
- In Europa soll unter dem Gesichtspunkt der Subsidiarität eine sinnvolle Aufgabenteilung zwischen den Institutionen der Europäischen Union, ihren Mitgliedsstaaten, den Ländern, Regionen und Gemeinden erreicht werden.
Wir sind die Volkspartei
- Wir sind eine Volkspartei, in der sich Frauen und Männer aus verschiedenen Landesteilen, Berufs- und Altersgruppen zusammenfinden. Als soziale Integrationspartei bündeln wir die unterschiedlichen Interessen der Bürger und versuchen, sie zu einem gerechten Ausgleich im Geiste des Gemeinwohls zusammenzuführen.
- Wir bekennen uns zu einer Politik, die sich nicht im Verfolgen von Einzelinteressen erschöpft, sondern umfassende Antworten auf die Problemstellungen in unserer Gesellschaft gibt.
- Wir bekennen uns zu einer Politik der Bürgernähe in Gemeinden und Ländern, im Bund und in der Europäischen Union. Weil Politik für viele Menschen vor allem auf der Gemeindeebene am unmittelbarsten erlebbar wird, treten wir für eine Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung ein.
- Als Volkspartei bekennen wir uns zu Positionen der politischen Mitte, zu einer wertorientierten Politik und zu einer politischen Praxis, die an die Lösung von Problemen mit Vernunft und Sachlichkeit herangeht. Deshalb wenden wir uns entschieden gegen extreme politische Randpositionen und lehnen Fundamentalismus, Intoleranz und Gewalt in jeder Form ab.
- Aus der Verantwortung für Österreich bewerben wir uns mit unserem programmatischen Selbstverständnis um das Vertrauen unserer Mitbürger und streben die politische Führungsrolle in Österreich an.
Was wir wollen
- Wir wollen die persönliche Freiheit des einzelnen sichern und seinen Leistungswillen fördern.
- Wir wollen die Familie als Keimzelle der Gesellschaft besonders fördern.
- Wir wollen die Verantwortung für die Gemeinschaft stärken.
- Wir wollen unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung und den kommenden Generationen wahrnehmen.
- Wir wollen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Österreichs erhalten und verbessern.
- Wir wollen eine Gesellschaft, die sich an dauerhaften Werten orientiert.
- Wir wollen das Vertrauen der Bürger in die demokratischen Einrichtungen festigen.
- Wir wollen mit den Steuergeldern der Bürgerinnen und Bürger
- sparsam umgehen.
- Wir wollen mit unserer Politik den Menschen Sicherheit und Heimat geben.
- Wir wollen mit einer weltoffenen Politik aktiv die künftigen Herausforderungen meistern.
Unser Menschenbild
- Unsere Grundsätze beruhen auf dem christlich-humanistischen Menschenbild. Nach diesem besitzt der Mensch von Natur aus ein unaufhebbares Recht auf Leben und freie Entfaltung. Die Achtung der Menschenwürde ist der Ausgangspunkt unseres politischen Handelns.
- Der Mensch besitzt durch sein schöpferisches Denken, sein kritisches Bewußtsein und sein verantwortliches Handeln den unveräußerlichen Anspruch auf Freiheit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Mitsprache. Wir wollen den Menschenrechten zu weltweiter Gültigkeit verhelfen.
- Die Persönlichkeit des Menschen kommt nur in der Gemeinschaft zur vollen Entfaltung. Der Mensch ist eingebunden in Gemeinschaften, denen gegenüber er persönliche Verantwortung trägt. Den unverletzlichen Rechten des einzelnen steht die Pflicht zur tatkräftigen Teilnahme am Aufbau des Gemeinwohles gegenüber. Die Verfolgung ausschließlich egoistischer Interessen zerstört die Grundlagen demokratischer Selbstbestimmung und gefährdet das Gemeinwohl.
- Der Mensch ist als Teil der Schöpfung eingebunden in den Kreislauf der Natur. Alles Lebendige ist von anderem Lebendigen abhängig und ein Wert an sich. Daraus leiten wir die Verpflichtung des Menschen zu einem sorgsamen Umgang mit der Natur und seine Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung ab.
- Wir anerkennen, dass der Sinn menschlichen Strebens über materielle Lebensziele hinausgeht. Wir bekennen uns daher zu einer ganzheitlichen Sicht der Welt und des Menschen: neben der sozialen, politischen und wirtschaftlichen besteht für uns eine kulturelle, ethische und religiöse Dimension des Menschen, die wir in unserer Politik berücksichtigen.
Freiheit
- Jeder Mensch hat das natürliche Recht als freies, verantwortliches Individuum anerkannt zu werden. Freiheit bedeutet für uns Selbstbestimmung, die sich auf das Gewissen und die Vernunft jedes einzelnen stützt. Aufgrund seiner Freiheit ist der Mensch für sein Handeln verantwortlich.
- Die Menschen können ihre Lebensziele innerhalb der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung nur in Freiheit verwirklichen. Der demokratische Rechtsstaat setzt die Freiheit des einzelnen Menschen voraus. Es ist Aufgabe der Politik, allen Menschen den notwendigen Freiheitsraum zu sichern und zu schützen.
- In der Gemeinschaft ist Freiheit nur in Verantwortung des einzelnen für andere erreichbar. Mit seinem Anspruch auf Freiheit muss der Mensch auch die Freiheit der anderen anerkennen. Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.
- Voraussetzung für ein menschenwürdiges Dasein ist die größtmögliche Freiheit des einzelnen vor Eingriffen des Staates. Wir treten für eine Festigung und ständige Erneuerung der Grund- und Freiheitsrechte ein. Gefahren für die Freiheit, die sich aus neuen technischen Entwicklungen ergeben, muss rechtzeitig vorgebeugt werden.
- Wir treten gegen jede staatliche Bevormundung und unnötige Kontrolle auf.
Verantwortung
Unserem Menschenbild entsprechend trägt jeder Mensch für sein Handeln persönliche Verantwortung. Er trägt aber auch Verantwortung für seine Mitmenschen und die staatliche Gemeinschaft.
In Zukunft werden die Probleme der modernen Gesellschaft dann lösbar sein, wenn jeder seine Verantwortung im privaten Bereich und im Beruf, aber auch als Bürger und Politiker im Staat wahrnimmt. Politik muss die Übernahme und Ausübung von Verantwortung fördern und jeder Tendenz zum Abschieben von Verantwortung auf anonyme Institutionen entgegenwirken.
Nachhaltigkeit
- Neben der Verantwortung für uns selbst und unsere Mitmenschen tragen wir auch Verantwortung für die Überlebensfähigkeit der gesamten Menschheit. Aus diesem Grund verpflichten wir uns, unser eigenes politisches und wirtschaftliches Handeln auch an den Zukunftschancen für kommende Generationen auszurichten.
- Als Maßstab dafür dient das Prinzip der Nachhaltigkeit: Das ist eine Handlungsweise, die die Bedürfnisse der Gegenwart so deckt, dass dadurch künftige Entwicklungschancen nicht geschmälert werden.
- Aus dem Auftrag zur Weltgestaltung erwächst die ethische Pflicht zum Maßhalten, zu Selbstdisziplin und Selbstbeschränkung. Die Nutzung der Natur darf deren Kraft zur Selbsterneuerung nicht schwächen.
Gerechtigkeit
- In ihren Rechten und in ihrer Würde sind alle Menschen gleich. Ungleich sind sie in ihren Anlagen, Fähigkeiten, Neigungen und Interessen. Gerechtigkeit bedeutet nicht ”jedem das Gleiche” sondern ”jedem das Seine”. Wir streben eine Chancengerechtigkeit an, die jedem Menschen die Möglichkeit bietet, sich gemäß seiner persönlichen Eigenart zu entfalten.
- Zur Gerechtigkeit gehört, dass alle Menschen den gleichen Zugang zum Recht besitzen, Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird.
- Gerechtigkeit zielt auf möglichst gerecht verteilte Lebenschancen, auf einen offenen Zugang zu den Bildungseinrichtungen, Gütern, Leistungen und Eigentum, sowie auf Möglichkeiten zur Mitsprache und Mitverantwortung. Gerechtigkeit erfordert die Anerkennung persönlicher Leistung und sozialen Ausgleich für diejenigen, die sich am Leistungswettbewerb unverschuldet nicht beteiligen können.
- Wir treten für eine gerechte, friedvolle und demokratische Weltordnung ein, die allen Bewohnern der Erde einen gerechten Anteil an ihren Gütern und ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen soll.
Leistung
- Die Leistung eines Menschen ist Teil seiner persönlichen Entfaltung. Sie ist Voraussetzung für die Bewältigung gemeinschaftlicher Aufgaben und Grundlage allen menschlichen Fortschritts.
- Leistungswille und die Bereitschaft zu unternehmerischem Risiko müssen gefördert werden. Persönliche Leistung in Familie, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur soll Maßstab für Arbeitseinkommen im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung sowie des beruflichen und gesellschaftlichen Aufstiegs sein.
- Die Würde des Menschen bleibt von seiner Leistungsfähigkeit unberührt. Wer zur Leistung nicht oder nicht mehr befähigt ist, hat Anspruch auf Hilfe. Niemand darf zu Leistungen gezwungen werden, die seine Kräfte übersteigen. Schließlich entfaltet der Mensch auch in Lebensphasen der Erholung, des Kunstgenusses und der Lebensfreude sowie bei Sport und Spiel seine Persönlichkeit.
Sicherheit
- Leben in Freiheit kann sich nur in einer Rechtsordnung entfalten, auf die der einzelne vertrauen kann. Der Staat hat die Aufgabe, Konflikte einzudämmen und politische wie soziale Stabilität sicherzustellen.
- Sicherheit erfordert Rahmenbedingungen, innerhalb derer die Menschen ihre Zukunft planen können. Diese umfassen die innere und äußere Sicherheit des Staates, den Schutz von Leib, Leben, Freiheit und Eigentum, die Absicherung bei Alter, bei Krankheit und sozialer Bedürftigkeit, aber auch, dass elementare Bereiche des persönlichen und sozialen Lebens, wie Erziehung, Bildung, Kultur und Religion, eine ungestörte Entwicklung nehmen können.
- Wir bekennen uns zum Ausbau der Rechtssicherheit und wehren uns dagegen, rechtliche Rahmenbedingungen ständig zu ändern.
- Wir bekennen uns zu einer tragfähigen Sozialordnung, deren langfristige Finanzierbarkeit gesichert sein muss.
- Die staatlichen Sicherheitsfunktionen müssen im Dienst von Freiheit und Gerechtigkeit stehen.
Partnerschaft
- Wir bekennen uns zu einer partnerschaftlichen Gesellschaft, in der auftretende Konflikte und Interessensgegensätze friedlich im Geist der gegenseitigen Achtung, der Bereitschaft zum Gespräch und der Anerkennung gemeinsamer Werte gelöst werden.
- Die Gesellschaft ist durch eine Vielfalt an Auffassungen, Interessen und Gruppen gekennzeichnet. Diese Vielfalt führt zu Gegensätzen und Konflikten. Gesetzlich verankerte Kammern und Verbände leisten im Rahmen der Sozialpartnerschaft einen wesentlichen Beitrag zur partnerschaftlichen Konfliktlösung.
- Wir treten für die Verwirklichung von Partnerschaft in allen Lebensbereichen, im zwischenmenschlichen Bereich, in Ehe und Familie, im Wirtschafts- und Arbeitsleben, in Politik und Staat und in der Völkergemeinschaft ein. Eine zentrale Verwirklichung von Partnerschaft erfolgt in der Ehe und in den Familien zwischen Eltern und ihren Kindern.
- Partnerschaft verlangt den Abbau unbegründeter Über- und Unterordnung, nichtgerechtfertigter Vorherrschaftsansprüche sowie von Ungleichheiten im Zugang zu Beruf und Lebensmöglichkeiten.
- Partnerschaft im persönlichen Bereich bedeutet, dass Frauen und Männer einander in ihrem Eigenwert anerkennen, füreinander verantwortlich sind und ihre Aufgaben innerhalb und außerhalb der Familie gleichberechtigt vereinbaren. Wir wollen Benachteiligungen der Frau in Familie, Arbeitswelt und Politik und in allen übrigen gesellschaftlichen Bereichen beseitigen. Die Gleichberechtigung von Frauen in der Politik wollen wir durch die Einführung einer Mindestquote von einem Drittel bei öffentlichen Mandaten vorantreiben.
Subsidiarität
- Wir bekennen uns zum Grundsatz der Aufgabenteilung in der partnerschaftlichen Gesellschaft. Diese löst ihre Probleme nicht allein durch den Staat, sondern durch eine Vielfalt von Einrichtungen.
- Nur diese Vielfalt gewährleistet den Menschen ein Leben in Freiheit. Der einzelne und kleine Gemeinschaften sollen befähigt werden, ihre Aufgaben eigenverantwortlich und dadurch lebensnah zu lösen. Diese entlasten die übergeordneten Gemeinschaften und den Staat, die so ihre Kräfte für die Planung und Durchführung jener Aufgaben wirkungsvoller einsetzen können, die nur von ihnen zu bewältigen sind.
- Es ist daher notwendig, die bestehende Aufgabenteilung auf ihre Zweckmäßigkeit zu prüfen und den Staat von Aufgaben zu entlasten, die andere gesellschaftliche Einrichtungen ebenso gut oder besser durchführen können.
- Wir vertreten den Standpunkt, dass der einzelne von der Gemeinschaft nur das fordern soll, was er aus eigener Kraft nicht leisten kann.
- Die politischen Aufgabenstellungen verlangen eine klare Aufgabenteilung, die von der lokalen bis zur internationalen Ebene reicht. Der Grundsatz des Föderalismus und der Autonomie von Gemeinden, Ländern und Regionen erhält durch das Zusammenwachsen von Staaten und Völkern in der Europäischen Union eine vordringliche Bedeutung.
Mitwirkung
- Wir wollen, dass die Bürger an den politischen Vorgängen, die ihr Leben bestimmen, teilnehmen. Durch die Teilnahme möglichst vieler kann die Demokratie weiterentwickelt werden und auf Dauer Belastungen standhalten.
- Wir bekennen uns zur repräsentativen Demokratie, also der Vertretung des Volkes durch frei gewählte Abgeordnete und demokratische Parteien in den Parlamenten auf den verschiedenen staatlichen Ebenen. Direktdemokratische Verfahren sollen dieses System ergänzen.
- Lebendige Demokratie bedarf der Mitwirkung der Bürger an der öffentlichen Diskussion und an politischen Entscheidungen. Die Qualität der Demokratie misst sich am Grad und an der Ausgestaltung der Mitwirkung an den Entscheidungen und an den Kontrollsystemen.
- Verantwortungsbewußtsein, Toleranz und kritische Urteilsfähigkeit sind notwendige Voraussetzungen für die Mitwirkung. Die Beteiligung an der gesellschaftlichen Aufgabenbewältigung verlangt nach einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein für die Vernetzung des gesellschaftlichen und politischen Ganzen. Gegebenenfalls müssen eigene und lokale Interessen hinter die Sicherung des Gemeinwohls zurückstehen.
- Wesentliche Voraussetzungen der Teilnahme am demokratischen Prozess sind die möglichst umfassende freie Information über gesellschaftliche Vorgänge sowie die Öffentlichkeit der Entscheidungen.
Toleranz
- Eine demokratische und pluralistische Gesellschaft ist auf einen Grundkonsens über gemeinsame Werte angewiesen. Wir bekennen uns zu einer differenzierten, vielfältigen und offenen Gesellschaft.
- Toleranz ist in der modernen pluralistischen Gesellschaft eine täglich eingeforderte Haltung offener Mitmenschlichkeit. Toleranz bedeutet die Duldung abweichender Überzeugungen und den Respekt vor den Lebenszielen, Intentionen und dem Gewissen des anderen.
- So wie der Ursprung der Toleranz in der Würde und Freiheit des Menschen liegt, ist sie auch durch die Sicherung der Würde und Freiheit des Menschen begrenzt. Der Maßstab der Toleranz sind somit die Menschenrechte. Das Ethos der Toleranz lässt Verstöße gegen Humanität und Menschenrechte nicht zu und unterscheidet sich dadurch grundlegend von moralischer Gleichgültigkeit ebenso wie von Unduldsamkeit.
- Die Bewältigung der Vielfalt in einer modernen Gesellschaft verlangt von den Menschen eine starke kulturelle Identität. Voraussetzung der Toleranz ist nicht Selbstaufgabe, sondern die selbstsichere Behauptung der eigenen Identität, die zum Gelingen des friedlichen Miteinanders der Geschlechter, der verschiedenen kulturellen, religiösen, ethnischen und sozialen Lebensformen beiträgt. Toleranz bedeutet nicht, dass alle Positionen gleichwertig sind oder alle Lebensformen die gleiche rechtliche und staatliche Förderung erhalten sollen.
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